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17.01.2014 | Eine handwerkliche Meisterleistung

Eine handwerkliche Meisterleistung

Wie JENZ einen 16 Jahre alten Schredder in eine nahezu nagelneue Maschine verwandelt

Petershagen-Wegholm. „Im Leben sieht man sich immer zweimal“, lautet ein altes Sprichwort. Dass diese Weisheit auch zwischen der Beziehung Mensch und Maschine gelten kann, ist dagegen neu. Wolfgang Benditte hat so etwas erlebt, als der 53-jährige Serviceleiter von JENZ vor der Aufgabe stand, den Abfallzerkleinerer AZ 35 von der Roider GmbH praktisch neu wieder aufzubauen.

„Ich gehe davon aus, dass ich damals in irgendeiner Form an der Maschine selbst mitproduziert habe“, sagt Benditte leicht romantisch rückblickend. Im Jahr 1997, als Roider den AZ 35 kaufte, arbeitete Wolfgang Benditte im seinem 3. Jahr bei JENZ in der Produktion.

Roider GmbH gehört zu den langjährigen Stammkunden von JENZ und hat seinen Firmensitz im bayerischen Lupburg. Als Dienstleister in der Landschaftspflege hat er sich in seiner Region einen sehr guten Namen gemacht. Das besondere aber an Roiders Unternehmen ist, dass der einen AZ 35 im Bestand hat, der eine Zulassung für Bahnstrecken vorweist. Von solchen Maschinen gibt es deutschlandweit nicht viele, Wolfgang Benditte kann sich an lediglich fünf JENZ-Maschinen erinnern, die so ausgestattet sind. Wesentliches Merkmal für diese Art Schredder ist das Zwei-Wege-Fahrwerk sowohl für die Straße als auch für die Gleise. Gezogen wird die Maschine von einem Unimog, ebenfalls ausgestattet mit Zwei-Wege-Fahrwerk. Die zweite JENZ-Maschine mit Bahnzulassung, die Roider im Fuhrpark hat, ist ein AZ 30, bei dem die JENZ-Monteure vor einigen Jahren nach einem Motorschaden einen stärkeren, elektronisch geregelten Motor einbauten. „Normalerweise bauen wir solche Motoren gar nicht auf“, sagt Wolfgang Benditte. Aber für außergewöhnliche Kunden macht JENZ hin und wieder Außergewöhnliches möglich. Dass es einige Zeit nach dem Motorenumbau noch spezieller werden würde, ahnten alle Beteiligten nicht.

Eigentlich fragte Roider für seinen AZ 35 nach einem neuen Bandlauf mit Zugrohr als Ersatzteil an. Und gerade in der Phase, als Wolfgang Benditte dafür die Kalkulation erledigte, erlag der AZ 35 ebenfalls einem Motorschaden. Zufall: Zu diesem Zeitpunkt hatte JENZ eine nagelneue Unfallmaschine zum Schrottpreis zurückgekauft: Ein AZ 460 – das Nachfolgemodell des AZ 35 – war in Südafrika beim Entladen des Schiffes vom Kran gefallen und auf der Landseite aufgeprallt. Da es sich um einen Versicherungsschaden handelte, hielt sich der Ärger in Grenzen, aber bei JENZ stand nun ein nagelneuer AZ 460, bei dem eine Reparatur nicht wirtschaftlich war, herum. „Wir wollten eigentlich einzelne, funktionsfähige Baugruppen verkaufen. Da kamen wir auf die Idee, die komplette Motorzelle mit Hydraulik, Bandmulde und Zugrohr bei der defekten Maschine von der Roider GmbH einzubauen“, sagt Wolfgang Benditte. Laut diesem Plan wäre bei Roiders AZ 35 die alte Schredderzelle und die obere Einzugseinrichtung geblieben. Roider brachte den defekten AZ 35 mit einem LKW von Bayern nach Wegholm. „Wir haben uns beide Maschinen angesehen und vereinbart, alles umzubauen, was technisch möglich ist“, sagt Wolfgang Benditte. So etwas ist leichter gesagt als getan, denn eine derartige Maschinen- Revision erfordert viel handwerkliches Verständnis, Können und Erfahrung.

„Wir haben es gemacht“, sagt Wolfgang Benditte. Nach rund 500 Arbeitsstunden machten die JENZ-Monteure aus einem alten AZ 35, eine komplett revisierteMaschine, der Rest wurde in einer handwerklichen Meisterleistung von Werkstattmeister Thomas Wolf, Dennis Schwarze, Jury Löwen und Wolfgang Benditte neu aufgebaut. „Ich möchte auch Arne Albert ein großes Lob aussprechen. Er hat die Schweißarbeiten und das Design der Bandmulde sowie der Verkleidung nach lediglich mündlicher Vorgabe perfekt erledigt“, schwärmt Wolfgang Benditte. Die größte Hürde sei es gewesen, die Gewichtsbilanz einzuhalten. „Das war eine Punktlandung“, sagt der JENZ-Serviceleiter. Die neu aufgebaute Maschine bringt exakte 10,5 Tonnen auf die Waage. Nach den 11.136 Betriebsstunden hat die Roider GmbH nun einen komplett werksüberholten Abfallzerkleinerer, der anstatt eines Einzugsbandes nun auch noch über eine obere Einzugswalze verfügt. Das erhalten gebliebene Gebläse ist bei seinem Schredder immer schon etwas Besonderes gewesen. Es ermöglicht ihm, das Schreddergut nach allen Richtungen auszutragen.


Wolfgang Benditte ist stolz auf sein Team und auf die geleistete Arbeit, auch wenn die kalkulierte Stundenzahl am Ende nicht reichte. Roider hat aber soviel technisches Wissen, dass er für die mehr geleistete Arbeitszeit Verständnis zeigte. „Mit Neuteilen wäre der Umbau unbezahlbar gewesen“, weist Wolfgang Benditte noch einmal auf die zufällig anwesende Unfallmaschine hin. „Bei so einem Projekt lebt man richtig auf. Interessant ist, wie viel sich technisch in den vergangenen 16 Jahren verändert hat. Und schön fand ich es als vielleicht dienstälterer Mitarbeiter, dass unsere jüngeren Kollegen auf mich zugekommen sind, weil sie die ein oder andere Frage zu einer Technik hatten, die sie selber nicht kennen“, fasst Wolfgang Benditte das Projekt zusammen. Der 53-Jährige hat es sich dann auch nicht nehmen lassen, den alten, neuen AZ 35 in Bayern live im Einsatz zu sehen. Sein Fazit: „Die Maschine läuft genauso, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Einen Haken hat die Sache doch für Roider: Einige der zukünftig vielleicht benötigten Ersatzteile für seinen AZ 35 werden ebenfalls handwerklich angefertigte Einzelteile sein.